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UNSERE FAMILIENBRIEFE

Seit dem CORONA - Lockdown veröffentlichen wir regelmäßig unsere bik - Familienbriefe. Im folgenden finden Sie alle bisher erschienenen Elternbriefe als pdf - Dokument zum Download. Zu jedem Elternbrief gehört ein Kinderbrief, den Sie auf den Kinderseiten dieses BLOGs herunterladen können.

Den jeweils aktuellen Elternbrief können Sie hier direkt im Anschluss lesen. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen!

 

Wir freuen uns über Feedback, Anregungen und Kritik! Schreiben Sie uns eine Mail an:

 

Das Redaktionsteam: Christiane Weigel (Fachberatung), Ursula Trüper & Ulrike Marte (zusätzl. Fachkräte)

Die BIK-Familienbriefe sind ein Projekt im Rahmen des Bundesprogramms "Sprach-Kitas"

 

 

 

11. Elternbrief: Dialoge mit Kindern

 

 

Kindheitsfoto UT

Berlin, 27.08.2020

Liebe Familien,

 

eine der schönsten Erinnerungen an meine Kindheit handelt von einem Spaziergang mit meinem Onkel Ulli. Es gibt ein Foto davon. Ich muss damals ungefähr 5 Jahre alt gewesen sein. Meine Familie machte einen gemeinsamen Sonntagsspaziergang. Irgendwann ging ich zufällig neben meinem Onkel Ulli her und wir unterhielten uns. Ich war begeistert. Onkel Ulli sprach mit mir so, wie er auch mit anderen Leuten sprach. Er war der erste Erwachsene, den ich kennenlernte, der nicht irgendwie „pädagogisch“ von oben herab mit mir redete. Der nicht mitten im Gespräch nachschaute, ob ich mir auch den Hals gewaschen hatte. Oder der die Ohren „auf Durchzug stellte“ und mit den Gedanken ganz woanders war. Oder der auf eine kleine Frage mit endlosen Erklärungen reagierte. Oder der mich abfragte, obwohl er die Antwort schon längst wusste: „Na, was für ein Baum ist das? Richtig, eine Buche!“ Stattdessen hörte er mir zu und äußerte seine eigene Meinung dazu, kurzum, er führte mit mir einen Dialog auf Augenhöhe. Ich weiß nicht mehr, worum es ging bei unserem Gespräch. Aber noch heute wird mir ganz warm in der Magengegend, wenn ich an diesen Sonntagnachmittag zurückdenke.

Was mein Onkel Ulli und ich damals gemacht haben, hört sich banal an. Aber es ist die wichtigste Form der Denk- und Sprachförderung. Denken und Sprechen lernen Kinder am besten im Dialog.

Vielleicht haben Sie auch eine derartige Erinnerung an Ihre Kindheit?

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Mirjam Spitalsky                           Annika Pöhnisch, Cornelia Windt und Christiane Weigel

Geschäftsführung                                                                     Fachberatungen            

 

Die BIK-Familienbriefe sind ein Projekt im Rahmen des Bundesprogramms „Sprach-Kitas“.

Redaktion: Christiane Weigel (Fachberatung), Ursula Trüper & Ulrike Marte (zusätzl. Fachkräfte)

 

Dialoge mit Kindern

Dialog bedeutet: zwei (oder mehr) Menschen verfolgen gemeinsam einen gedanklichen Weg. Alle Beteiligten tragen zu diesem Denkprozess bei. In der Forschung spricht man von „Sustained shared thinking“, zu Deutsch etwa „nachhaltig geteiltem Denken“. Gemeint ist ein Dialog, in dem die Gesprächspartner gemeinsam darum ringen ein Phänomen zu verstehen, ein Konzept zu deuten, eine Geschichte zu entwerfen oder ein Problem zu lösen.

Dialoge mit Kindern unterstützen deren kognitive Entwicklung. Sie haben einen positiven Einfluss auf ihr Sprachverhalten, indem sie sie zum Sprechen anregen. Kinder, mit denen häufig Dialoge geführt werden, erhalten sich die angeborene Freude am Nachdenken und haben in der Schule mehr Erfolg. Sie äußern häufiger eigene Hypothesen und sie artikulieren häufiger Widersprüche.

Im Alltag finden Dialoge mit Kindern leider zu selten statt. Laut dem Neurobiologen Gerald Hüther beträgt die durchschnittliche Dialog-Zeit zwischen Kind und Erwachsenen in Deutschland acht Minuten pro Tag (Quelle: Mara Lubuze: Fachtag Sprache: Dialoge mit jungen Kindern führen. Berlin 08.11.2017). Acht Minuten in 16 Stunden, wenn man die Schlafenszeit abzieht! Die übrige sprachliche Interaktion besteht aus direkten Anweisungen („Zieh dir schon mal die Schuhe an!“), Informations-vermittlung („Das ist ein Apfel. Darin sind Kerne, aus denen neue Apfelbäume wachsen.“), außerdem Begrüßungen, kurze Fragen und Antworten.

Dabei ist es gar nicht aufwendig, mit Kindern in den Dialog zu kommen. Es kann jederzeit im Alltag geschehen, wenn wir folgende Grundregeln beachten:

  • physisch und mental gleiche Augenhöhe herstellen (zum Kind setzen / hocken, auf Belehrungen verzichten)
  • das Interesse des Kindes aufnehmen („Beobachtest du diese Spinne da?“)
  • offene Fragen stellen („Was glaubst du denn?“)
  • Verständnis spiegeln („Du findest, die Spinne hat das Netz gut gebaut?“)
  • Zeit lassen (aufmerksam warten)

Bei ganz kleinen Kindern findet Dialog auch ohne verbale Sprache statt. Zum Beispiel zeigt das Kind mit dem Finger auf einen Gegenstand und ruft: „Da!“ Es erwartet, dass wir seine Beobachtung teilen und benennen: „Ja, da ist ein Hund!“ Das kann endlos weitergehen und dient der Erweiterung des Wortschatzes ungemein.

Mit knapp drei Jahren beginnen Kinder, „Warum-Fragen“ zu stellen. Dabei gehen sie vor wie richtige Forscher. Sie stellen Hypothesen auf und versuchen herauszufinden, ob diese Hypothesen richtig oder falsch sind. Dazu brauchen sie Erwachsene, die sie beim eigenen Denken unterstützen und nicht mit Erklärungen erschlagen.

„Nachdenkgespräche“ nennt Frauke Hildebrandt, Professorin für Pädagogik der Kindheit an der FH Potsdam, diese Form des Redens mit Kindern. Sie schlägt folgenden Ablauf für Nachdenkgespräche vor, die das eigene Denken des Kindes unterstützen:

  1. Frage oder Aussage des Kindes
  2. Frage würdigen
  3. Eigene Vermutung aufstellen
  4. Frage zurückgeben
  5. Vermutung des Kindes
  6. Gemeinsam spekulieren

Mit dieser Methode sind wir im Handumdrehen in einem wunderbaren Dialog. Zum Beispiel sagt das Kind: „Guck mal, die Taschenlampe leuchtet nicht!“ Daraufhin würdigen wir erstmal diese Beobachtung, indem wir vielleicht sagen: „Hm, ja, stimmt!“. Dann stellen wir eine eigene Vermutung an: „Also, ich könnte mir vorstellen, dass die Batterie leer ist!“ Wir sind nicht allwissend. Wir äußern nur eine Vermutung, sodass für die Überlegungen des Kindes auch noch Platz ist. Dann ganz wichtig: die Frage zurückgeben: „Und was meinst du?“ Das Kind sagt beispielsweise: „Ich glaube, die Lampe ist kaputt.“ Danach kann man weiter gemeinsam darüber spekulieren, was mit der Lampe los ist.

Oft stellen uns Kinder auch schwierigere Fragen. Zum Beispiel: „Warum ist der Himmel blau?“ Zum Glück müssen wir nicht sofort eine Antwort darauf geben, sondern können erstmal nach der oben genannten Methode gemeinsam mit dem Kind spekulieren. Am Schluss können wir dann vielleicht im Internet nach einer Antwort suchen. Bei manchen Fragen werden wir feststellen, dass auch die Wissenschaft noch keine Antwort darauf gefunden hat. Wir dürfen auch zugeben, dass Erwachsene nicht alles wissen! (Quelle: Frauke Hildebrandt: Was meinst du? Nachdenkgespräche mit Kindern führen. In: Kindergarten heute 3/2014, s. Anhang)

Kleine Kinder haben von Natur aus große Neugier, unerschöpfliches Erkenntnisinteresse und große Lust am Selber-Tun und Selber-Denken. Wir sollten sie dabei unterstützen, sich diese Lust zu erhalten. Eine Möglichkeit dazu sind die vielen kleinen Dialog-Chancen im Alltag. Einige Ideen, wie uns mehr Dialog in Spiel- und Alltagssituationen mit Kindern gelingen kann, stellen wir im folgenden Teil „Aus der Praxis“ sowie im separaten Kinderbrief vor! Viel Spaß beim Ausprobieren!

Text: UT

AUS DER PRAXIS

Dialoge anregen mit Geschichtensäckchen

Für Dialoge mit Kindern eignen sich auch „Geschichtensäckchen“. Es sollte allerdings keine vorgegebene Geschichte im Säckchen oder in den Köpfen der Erwachsenen sein! Um in den Dialog zu kommen, bedarf es erstmal Fragen an geeigneter Stelle und Phantasie auf beiden Seiten. Die erwachsene Person muss zuhören können, auf eine belehrende Rolle verzichten und bereit sein, sich vom Kind beeinflussen zu lassen. Das Kind muss sich sicher fühlen und angenommen in allen Ideen.

Vorbereitung:

Man packt die verrücktesten Dinge in ein Säckchen für eine Geschichte.

Beispiel: ein Fell, ein Glitzerstein, ein Gummi-Igel, ein Plastik-Männchen, 2 Tannenzapfen, ein Pflaster

Ins Gespräch kommen:
Alle Gegenstände werden ausgepackt und liegen sichtbar auf dem Tisch. Der Erwachsene beginnt mit einem Gegenstand und lockt das Kind mit Fragen. Die Antworten und Ideen der Kinder lenken den weiteren Gesprächsverlauf. Impulse durch die erwachsene Person können den Prozess lenken.

Beispiel: Man beginnt mit: „Der Igel lag auf einem Fell und schlief. Was passierte denn dann?“ Oft antworten die Kinder schon mit: „Er hat einen Schatz gefunden (Glitzerstein).“ Daraus ergeben sich Gespräche wie: „Hast Du auch einen Schatz?“ „Was ist Dir wichtig“? oder „Ich glaube MEIN Schatz bist du!“ (usw.) Weiter geht es vielleicht mit: „Was passiert dann?“ Kind: „Der Mann hat den Schatz geklaut und den Igel getötet“! Das muss man aushalten und auch daraus können sich Gesprächsthemen ergeben! Dann kann man die Geschichte vorsichtig umlenken: „Zum Glück ist der Igel nicht gestorben! Er war nur verletzt und fand zum Glück ein Pflaster. Hat Dir auch schon mal etwas sehr wehgetan?“ (etc.)

Themen gezielt „anspielen“
Wer es sich zutraut, kann mit ausgewählten Gegenständen zu gezielten Themen (z.B. Ängste) mit Kindern ins Gespräch kommen. Man sollte aber unbedingt akzeptieren, wenn das Kind nicht darüber sprechen möchte oder sich “andere“ Lösungen überlegt. Man muss nicht zu einem Ergebnis kommen, sondern bestenfalls kommt man in einen kindgerechten Dialog!

(Text: Pia Hausmann, zusätzliche Fachkraft Sprache)

AUS DER PRAXIS

Handpuppen als Gesprächspartner


Für Dialoge mit Kindern eignen sich auch Handpuppen. Im Dialog mit ihnen drücken viele Kinder gern Erlebnisse, Bedürfnisse, Konflikte und Erfahrungen aus. Die Handpuppe öffnet spielerisch Zugänge, die Erwachsenen verschlossen bleiben können. Schüchterne Kinder kommen mit ihnen oft leichter ins Gespräch als mit Erwachsenen. Manchmal vertrauen sie ihnen sogar Dinge an, die sie Erwachsenen nicht sagen können oder wollen. So erzählte ein Kind einer Handpuppe, warum es ein Pflaster auf der Stirn hatte und dem zuerst fragenden Erwachsenen, der die Handpuppe bediente, nicht! Auch hat die Handpuppe mehr Freiheiten und muss sich nicht wie ein Erwachsener verhalten. Ohne zu lügen kann sie nach Herzenslust von Pflastern und Unfällen berichten, “die ihr schon passiert sind“! Sie ist Erwachsener und Kind zugleich, macht Fehler und ist vernünftig.

Kinder identifizieren sich emotional mit Handpuppen. Zu beachten ist jedoch, dass Handpuppen bei kleineren Kindern manchmal auch Angst auslösen. In der Sprachförderung eingesetzt helfen Handpuppen den Kindern, Hemmungen zu überwinden und motivieren sie zum freien Sprechen. Bedienen die Kinder selbst eine Handpuppe, so ist es sogar schon passiert, dass die Handpuppe stotternder Kinder nicht gestottert hat!

(Text: Pia Hausmann, zusätzliche Fachkraft Sprache)

Maus, Ente, Schaf, Hund, Gans (Sockenpuppen für „Steinsuppe“- Theaterprojekt )

AUS DER PRAXIS

Bau einer Sockenpuppe

Man braucht: eine alte Lieblingssocke, Knöpfe für die Augen und für die Nase vielleicht eine Perle, eine Paillette oder Nussschale! Für den Körper helfen Fellreste, Federn, Deko. Für die Haare können z.B. Wollreste, Tücher, etc. benutzt werden.

Wenn ich es eilig habe, klebe ich die Sachen dorthin, wo die Kinder es mir zeigen! Das ist aber nicht ganz so gut, wenn man die Handpuppe waschen will. Schöner, aber aufwendiger ist es, zu nähen! Da lernen die Kinder etwas, können den Faden abschneiden oder es sogar selbst probieren! Die Kinder entscheiden bei ihrer Handpuppe, wo sie die Nase aufgenäht haben wollen. Es ist egal, ob wir denken „Das ist doch zu hoch“ oder „ Für die Augen muss man doch zwei gleiche Knöpfe haben“!

Bespielt wird die „Socke“ dann, indem man den Daumen in der Ferse hat! Dann kann die Sockenpuppe auch den Mund auf und zu machen! Man kann sie auch mit Zähnen und Zunge versehen.

Weitere Anregungen dazu findet man auch zahlreich im Internet!                          

Viel Spaß wünscht Pia aus der Kita- Kinderland!

AUS DER PRAXIS

Dialoge mit ganz jungen Kindern in der Kita. Zwei Erzieher*innen des bik e.v. im Interview

UT (Sprachfachkraft): Die Kinder in euren Gruppen sind ein Jahr in der Kita und 1,5 bis 2,5 Jahre alt, d.h. sie beginnen gerade mit dem Sprechen. Wie es ist, mit diesen Kindern in den Dialog zu gehen?

E (Erzieherin): Wenn ich noch etwas fremd bin für das Kind oder es noch nicht richtig mit mir sprechen kann, geh ich erstmal auf Augenhöhe - mit ein bisschen Abstand. Dann versuche ich es über Fragen, Mimik oder Gestik und erzähle einfach. Wenn es erstmal nicht reagiert, dann ist das eben so. Wenn zum Beispiel ein Kind früh kommt und weint, aber noch nicht sagen kann, was es für Kummer hat, dann rede ich mit dem Kind: Bist du traurig? Möchtest du lieber bei Mama bleiben? Es war so schön bei Mama oder? Manchmal nicken sie dann auch mit dem Kopf. Dabei streichle ich dann ein bisschen über den Rücken, wenn sie zeigen, dass sie diesen Körperkontakt auch möchten. Ein Junge aus meiner Gruppe lehnt sich gleich an und braucht die Kuscheleinheit. Dann kriegt er die auch.

P (Erzieherin): Das sind ja oft keine Dialoge im herkömmlichen Sinne, also sprachlich. Sondern dass man, wie eben gesagt, die Körpersprache oder emotionale Signale des Kindes als Aufhänger nimmt. Zum Beispiel ein Junge aus meiner Gruppe schläft direkt neben einer Tonne in unserem Raum, in die wir die Kuscheltiere einräumen. Eines Tages nach dem Aufstehen nahm er den Frosch, den er zum Kuscheln hatte, sagte „Quak, quak“ und räumte ihn in die Tonne. Das war das erste Mal, dass er mit mir sprach. Das heißt aber nicht, dass wir bis dahin keine Dialoge hatten. Es ist ja ein gegenseitiges Verstehen - das geht auch nonverbal. Ich hab gesagt: „Ja, der Frosch hat bei dir geschlafen und jetzt geht er zu seinen Freunden kuscheln.“ Da strahlte er mich an und wusste, dass ich ihn verstanden hab. So laufen die ersten Dialoge. Die anderen Kinder beobachten das natürlich. Je mehr sie merken, dass wir versuchen, sie zu verstehen, desto mehr haben sie selber Lust zu sprechen.

UT: Macht ihr das auch - dialogisches Vorlesen?

E: Ja, auf jeden Fall. Beispielsweise hatte ich vor kurzem etwas über Autos vorgelesen und da sagte ein Mädchen: „Papa auch Auto“. Ich bin darauf eingegangen: „Ach, bist du heute Morgen mit dem Papa gefahren?“ Und sie hat gesagt: „Nein. Mama!“

P: Man kommt oft über ein Bild im Buch auf ein Erlebnis, das die Kinder damit verbinden. Und dann ergeben sich auch manchmal Dialoge, wenn Kinder Erlebnisse mitteilen und wir diese dann sprachlich widerspiegeln. Oft muss man sich seinen Teil dazu zusammenreimen. Das äußern wir dann als Vermutung, und wenn wir richtig geraten haben, freuen sich die Kinder. Es ist immer schön, wenn man merkt: Ah, jetzt habe ich das Richtige getroffen. Oft sieht man an der Mimik des Kindes, dass es sich verstanden fühlt. Ansonsten äußert man weitere Vermutungen. Das sind die Anfänge. So werden Kinder ermutigt, sich zu äußern.

E: Wir haben auch Kinder, die sich nicht nur mit uns, sondern auch schon miteinander unterhalten. Die bereits miteinander spielen und nicht nur nebeneinander. Beispielsweise haben zwei Kinder ein Fahrzeug, fahren aufeinander zu und eines sagt: „Auto.“ Und das andere: „Auch Auto fahren.“ Für mich ist es immer toll, zu sehen, wie sich diese ersten Anfänge entwickeln.

AUS DER PRAXIS

Dialogische Buchbetrachtung

Bücher faszinieren die meisten Kinder. Anfangs noch als Gegenstand, den sie in den Händen der „Großen“ sehen und erforschen wollen. Bald werden aber auch die Inhalte spannend und wir treten in erste kleine Dialoge: Das Kind schaut ein Bild von einem Schaf an und wir kommentieren: „Bähhhh – ein Schaf!“. Wenig später erkennt das Kind an anderer Stelle auch das Schaf, kommentiert mit „Bähhh!“ und sucht den Blickkontakt, um sich zu vergewissern, ob wir das auch so sehen. Mit der Zeit werden die Bücher komplexer, der Wortschatz wächst und die Kinder können längeren Textpassagen immer besser folgen. Dennoch ist ein Dialog rund um die Geschichte im Buch oft anregender als das reine Vorlesen. Während das Kind beim klassischen Vorlesen reiner Zuhörer ist, kommt es beim „Dialogischen Buchbetrachten“ auf den Austausch und die Interaktion zwischen den Beteiligten an und das Buch wird zum Anlass für unterschiedlichste Gespräche. Und so gelingt Ihnen das ganz leicht:

 

  • Wählen Sie ein Buch aus, dessen Inhalt gut durch die Abbildungen dargestellt wird.
  • Schauen Sie gemeinsam mit dem Kind / den Kindern die Bilder an und entdecken Sie gemeinsam die Atmosphäre, Personen, Gegenstände und Geschehnisse. Lassen Sie sich durch diese zu Gesprächen inspirieren! Es ist okay, wenn sich Ihr Gespräch von der eigentlichen Geschichte des Buchs entfernt!
  • Geben Sie immer wieder Impulse für ein Gespräch zur Geschichte / zu den Abbildungen:
    • Stellen Sie offene Fragen: „Warum hat die wohl so einen großen Hunger?“
    • Fragen Sie nach logischen Zusammenhängen: „Warum sind die denn eigentlich ins Auto gestiegen“?
    • Kommentieren Sie die Bilder: „Huu, da ist es aber ganz schön dunkel!“
    • Stellen Sie Unsinnsfragen oder vermuten Sie Unmögliches: „Und jetzt frisst die Maus gleich den Elefanten auf oder?“
  • Werden Sie nicht Alleinunterhalter*in:
    • Lassen Sie dem Kind Zeit und Raum für eigene Antworten und Ideen.
    • Greifen Sie die Impulse des Kindes auf. Oft entdecken die Kinder Details auf den Bildern oder machen sich ihre ganz eigenen Gedanken zu den Abbildungen. Kommen Sie auch darüber ins Gespräch!
    • Haben Sie gemeinsam Freude und seien Sie gemeinsam neugierig. Das Abfragen von Wissen hat wenig mit einem echten Gespräch zu tun!
  • Lassen Sie auch mal eine Handpuppe Fragen zur Geschichte stellen oder die Geschichte mitspielen. Wenn Sie keine Handpuppe haben, bauen Sie einfach eine Sockenpuppe!
  • Machen Sie es spannend: Blättern Sie mal ganz langsam um, rufen erschrocken oder ängstlich, wenn die Geschichte spannend wird oder fragen Sie vor dem nächsten Umblättern, wie es wohl weitergehen wird.

Text: UM

Bücher, die zum Dialog mit Kindern anregen

Die Torte ist weg!

(Thé Tjong-Khing) 13,95 EUR
Ein Buch ohne Text, aber mit unzähligen kleinen Geschichten, die sich über die Seiten des Buches immer weiterspinnen. Der Titel beschreibt eine dieser Geschichten: Familie Hund wollte gemütlich Torte essen, als diese plötzlich von zwei finsteren Gestalten vom Gartentisch geklaut wird. Was passiert wohl als nächstes? Und warum heult dieses kleine Hasenkind so? Lauter Fragen, die über die vielen herrlichen Illustrationen gestellt und vielleicht sogar beantwortet werden. Das Buch bietet Anlass für Gespräche mit Kindern ab 3-4 Jahren.

Nur Mut, Willi Wiberg!

Stell Dir vor... Das Wunder-Bilder-Buch

(Norman Messenger), 19,95 EUR

Auch dieses Buch kommt fast ohne Text aus. In den skurrilen Bildern verstecken sich Riesen, entstehen neue Wesen durch Drehscheibe oder Klappmechanismus und es gibt immer wieder etwas zum Wundern und gemeinsam Rätseln. Optische Täuschungen und Illusionen führen uns hinters Licht und geben Anlass für spannende Gespräche mit Kindern ab ca. 4 Jahren.

Das mutige Buch

Klopf an!

(Clara Tidholm, Autorin und Anu Stohner, Übers.), 9,00 EUR

Dieses stabile Pappbilderbuch ist schon für ganz kleine Kinderhände ideal und eignet sich hervorragend für das interaktive dialogische Lesen mit den Kleinsten. Ein rotes Haus mit einer blauen Tür wartet auf Besucher. "Mal sehen, wer da wohnt. Wir klopfen einfach an. Klopf, klopf!" Wir überraschen den kleinen Michel, der wild auf seiner Trommel spielt. Hinten im Zimmer leuchtet eine rote Tür. Was sich wohl dahinter versteckt? Nach und nach werden alle Zimmer des Hauses erforscht und immer neue Bewohner aufgestöbert. Für Kinder ab 1 Jahr.

Klopf an!

Ist 7 viel?

(Antje Damm), 15 EUR.

Wird es die Erde immer geben? So lautet eine von 44 Fragen in diesem Buch. Wer will das beantworten? Aber darüber reden und philosophieren macht Spaß und regt an, sich Gedanken über die Welt zu machen, in der wir leben. Woher kommt Angst? Tut alt werden weh? Warum sehen wir verschieden aus? Antje Damm wirft Fragen auf über den Himmel und die Erde, über das Leben und die Welt, über den Tod und über die Liebe. Sie nimmt Kinder als kleine Philosophen ernst und traut ihnen komplexe Themen zu. Und so bietet dieses Buch einen idealen Einstieg für Kinder und Erwachsene, sich mit den großen Fragen der Welt auseinanderzusetzen.

Aktuelles

aus dem Berliner Institut für Kleinkindpädagogik